Vom Recht zu sterben….#Mittwochgedanke


Heute entschied das Bundesverfassungsgericht über den Paragraphen 217 StGB – die sogenannte geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung. Ich bin keine Juristin, aber ich bin ein Mensch; deshalb der heutige #Mittwochsgedanke mal zu diesem sehr emotionalen und durchaus umstrittenen Thema.

Zunächst halten wir fest: Selbsttötung ist nach unserem Rechtsverständnis kein Verbrechen. Es erscheint mir daher problematisch, warum die Hilfe zu dieser Selbsttötung unter Strafe stehen sollte. Das kann, im Licht der verschiedenen Religionen, durchaus anders gesehen werden – doch im nüchternen Kontext des Gesetzes ist dies in meinen Augen erst einmal ein Fakt: Suizid ist keine kriminelle Handlung.

Es erscheint schwierig, sich diesem Thema nüchtern zu nähern – schlussendlich wissen wir alle nicht, wie wir selbst angesichts einer tödlichen Krankheit, mit Schmerzen oder auch mit schwerer Lebensmüdigkeit entscheiden würden. Niemand weiß dies, wenn er nicht selbst in der konkreten Situation ist: den Schmerz fühlt, die Angst, die zunehmende Hilflosigkeit.

Nach meinem Verständnis gehört mein Leben nur mir allein – niemand hat das Recht, mir die Hoheit darüber zu entziehen und dazu gehört für mich auch das Recht über das Ende des eigenen Lebens zu bestimmen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Gesellschaft nicht alles tun sollte, jede Hilfe offensiv anbieten sollte, um die Betroffenen von einem Weiterleben zu überzeugen. Wir brauchen eine leistungsstarke Palliativmedizin, eine tragfähige psychologische Therapielandschaft, ein breites Angebot für Menschen, die sich in der letzten Phase ihres Lebens befinden. –

Das alles brauchen wir, und diese Angebote müssen schnell und niederschwellig verfügbar sein. Doch auch der feste und eigene Entschluss eines Menschen, aus dem Leben zu scheiden, selbstbestimmt und sicher, ist von unserer Gesellschaft zu respektieren. Dieser Entschluss muss selbstverständlich geprüft sein – er darf nicht leichtfertig hingenommen werden, und doch darf unsere Gesellschaft diesen Menschen die dringend benötigte Hilfe zur Umsetzung ihres Todeswunsches nicht verwehren. Nichts ist daran verwerflich, wenn ein Mensch für sich entscheidet, sein Leben beenden zu wollen, nichts ist daran verwerflich, wenn er sich dafür Hilfe wünscht.

Auch das ist Humanität, auch das bedeutet, die Würde eines Menschen zu achten.