Mittwochsgedanke „Wahl ab 16“


So oft wird über Politikverdrossenheit diskutiert, wird den Menschen gesagt: ihr müsst euch einbringen, euch beteiligen, mitdiskutieren, mitentscheiden….wählen gehen….und jetzt ist da die Überlegung das Wahlalter auf 16 zu senken- und prompt heißt es: ja dann aber bitte auch Änderungen im Strafrecht, die wissen doch gar nicht worum es geht, die haben gar keine Lebenserfahrung….oder von der anderen Seite: die zahlen auch Steuern und gehen arbeiten (alles aus verschiedenen Gründen fragwürdige Argumente)

Zunächst mal: unsere Demokratie verlangt von den Wählern nicht, dass diese Steuerzahler sind ….das Recht der Stimmabgabe ist nicht an ein bestimmtes Einkommen oder einen Arbeitsplatz gekoppelt- und, nagelt mich an die Wand: das ist auch völlig richtig so.

Es verlangt auch keine Lebenserfahrung als Zugangsvoraussetzung- ein Blick in die Realität zeigt: es gibt auch Menschen jenseits der 40 deren Lebenserfahrungen…sagen wir überschaubar sind, genauso wie das Verständnis von Politik oder Demokratie ganz allgemein eher ungleich verteilt und wenig mit dem Alter zu tun hat. Und nur nebenbei das aktive Wahlrecht…verlangt auch nicht ein Leben frei von juristisch fragwürdigen Lebenswandel…nicht ohne Grund ist die Aberkennung dieses Bürgerrechts an hohe Hürden gebunden.

Wenn jetzt Stimmen laut werden die sagen: die Senkung des Wahlalters würde Partei xy in die Hände spielen, stellt sich für mich die Frage:

„Na und?“

Dann tut etwas dafür, die eigene Partei attraktiver für diese Wählerschaft zu machen- und argumentiert nicht aus Angst vor Stimmanteils-verlusten gegen das Begehren politischer Teilhabe!

Jene politische Teilhabe deren Wahrnehmung doch so gerne von den Menschen gefordert wird….oder ist das nur eine These für politische Schaufensterkämpfe?

Natürlich könnte man jetzt argumentieren, und warum nicht mit 14? mit 12? Oder oder oder? Ehrlich gesagt glaube ich 16 ist ein gutes Alter um zu beginnen, politische Verantwortung zu übernehmen (ich weiß- das ist keine rationale Argumentation)- und genau das tun Menschen die das Wahlrecht haben: mit ihrer Stimmabgabe wie auch mit der Verweigerung dieser stehen sie in politischer Verantwortung: sich selbst, ihren Familien, ihren Nachbarn, unsere Gesellschaft….und der Zukunft gegenüber.

Geben wir ihnen das Vertrauen dazu….und das Rüstzeug diese Entscheidung kompetent zu treffen. Nicht das Vorhalten von Rechten – sondern politische Bildung ist in meinen Augen der richtige Weg für eine Gesellschaft in der Bürger und Bürgerinnen Demokratie wagen.