Greift zu! Gedanken zum Frauentag


Es ist eine Tatsache, dass Frauen oft in den schlechter bezahlten Jobs tätig sind und dass die Teilzeitquote bei erwerbstätigen Frauen bei über 66 % liegt (2019) und nein – es liegt nicht zwingend an der Bildung, denn die Verteilung der Bildungsabschlüsse liegt im Vergleich von Männern und Frauen durchaus in vergleichbaren Größen – es liegt am Selbstverständnis. 

Was ich damit meine? Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – oft wird die Familienarbeit ganz selbstverständlich zum Großteil von den Müttern geschultert (aus unterschiedlichsten Gründen, die durchaus absolut nachvollziehbar sind). – Später kommt im Alter oft das bittere Erwachen, wenn dann die Rente nicht ausreicht. Das „Selbstverständnis“, Politik würde Frauen nicht „interessieren“. Das „Selbstverständnis“, Frauen würden andere politische Themen interessieren als Männer. Das „Selbstverständnis“, Frauen würden eher in soziale Berufe gehen. Es ist das „Selbstverständnis“, Frauen würden ihre Freizeit lieber der Familie widmen statt eigener Hobbys oder gar der Politik. 

Politik liegt in Deutschland immer noch – egal auf welcher Ebene – überwiegend in den Händen von Männern. Wussten Sie es? Nur 9 % der Rathäuser in Deutschland werden von Frauen geleitet – 91 % der Bürgermeisterpositionen werden von Männern besetzt. Der Frauenanteil im Bundestag liegt derzeit nur bei 31,4 %, was durchaus bemerkenswert wenig ist für eine Gesellschaft wie die unsere. Aber – dramatisch gering ist eben auch der Anteil von Menschen, die sich überhaupt in Parteien engagieren, und auch hier ist der Anteil von Frauen extrem niedrig. 

Neulich forderte eine Teilnehmerin in einer Diskussionsrunde „Frauen müssen an den Verhandlungstisch!“ Ja – ich stimme zu, gute Politik braucht die Vielfalt der Ideen. Verschiedene Perspektiven von Menschen unterschiedlichen Geschlechts genauso wie unterschiedlichen Alters oder unterschiedlicher beruflicher Erfahrungen. Ja, Frauen an den Verhandlungstisch! Ja, Frauen in die Chefetagen! Ja, Frauen auch in die Entscheidungsebenen von Verwaltung, Sicherheit oder Verteidigung! Ja! 

 

Wer an einen Tisch will, der sollte sich einen Stuhl nehmen! Viel zu oft jedoch scheinen Frauen darauf zu warten, an den Tisch gebeten zu werden. Es ist schlussendlich ein Stück weit auch unsere Aufgabe, uns diesen Platz am Tisch zu nehmen, für uns zu werben, zu überzeugen, unseren Hut in den Ring zu werfen, uns einzumischen, mitzumischen, zu kandidieren, uns zu bewerben – für uns und alle, die nach uns kommen. Und ja, manchmal muss da wohl ein Platz  frei gemacht werden, damit eine Frau Platz nehmen kann. Wer glaubt, Gleichberechtigung – gar Gleichstellung kommt von allein – und das Gendern müsste reichen, – der verkennt die Realität. Ohne Frauen, die sich den Stuhl nehmen, bleibt der Verhandlungstisch eine Männerrunde … Deshalb: Frauen, greift zu! Und gebt dem „Selbstverständnis“ eine weitere Färbung!