Freiheit die ICH meine…


Kürzlich wurde Robert Habeck, einer der beiden Parteivorsitzenden der Grünen, wie folgt zitiert:

„Freiheit wird gleichgesetzt mit Vielfliegen, viel Fleisch essen und schnell fahren. Was ist das denn für ein Freiheitsbegriff!“

Nun, ich esse Fleisch (ich denke summa summarum bin ich eine durchschnittliche Fleischkonsumentin). Ich gebe auch zu: ich fahre gern schnell – in der Regel mit allem, was mehr als 2 Räder hat, aber halte mich an die Regeln. Ich fliege auch – aber nicht viel. Dienstreisen werden in der Regel mit der Bahn erledigt und meinen letzten Urlaub, zu dem ich geflogen bin (von einem kurzen Konzerttrip mal abgesehen), war ….. na, das muss jetzt schon über 12 Jahre her sein.

Aber: ich genieße die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob ich heute eine Gemüsesuppe, einen Auflauf, Milchreis oder z.B. einen Broiler esse. Ich mag es, die Wahl zu haben, ob ich mein Ziel besser mit dem Flieger, der Bahn, dem Bus oder dem Auto erreiche. Ich finde es schön, mit meiner Familie besprechen zu können, ob wir die Ferien an der See oder in den Bergen verbringen – ob wir ins Ausland reisen und wenn ja wie.

Diese Freiheit gab es in meiner Jugend nicht. Ein Trip nach Paris? Unmöglich! Yellow Stone sehen? Phantasie! Ich finde es grandios, welche Möglichkeiten der wirtschaftlichen Betätigung uns heute offenstehen, sich z.B. selbstständig machen zu können. Zugegeben, das ist nichts für jeden oder jede – und oft braucht es auch noch einiges an finanziellen Mitteln dazu: ABER DU kannst es! In dem Land, in dem ich aufwuchs, war Selbstständigkeit eine Rarität. Du kannst heutzutage Deine Stimme erheben, Kritik an allem und jeden zum Ausdruck bringen – ohne fürchten zu müssen, am nächsten Tag die Welt nur noch aus dem Inneren einer Gefängniszelle betrachten zu können. Du kannst politische Ziele verfolgen, du kannst Politik mitgestalten (ohne auf das richtige Parteibuch angewiesen zu sein), du kannst demonstrieren. Durch unsere moderne Kommunikation sind wir heute weltweit vernetzt, Informationen stehen viel geballter, viel aktueller zur Verfügung. Nicht alles davon sind Wahrheiten – was wahr ist und was nicht, das herauszufinden ist in diesem Kontext aber dann eben auch die Verantwortung des Nutzers.

Du kannst entscheiden, ob Du Dein Wahlrecht in Anspruch nimmst – oder eben nicht, ob Du selbst kandidieren willst – oder eben nicht. Du darfst selbst entscheiden, ob Du die Ehe eingehen willst oder nicht, wen Du liebst, ob und welcher Religion Du angehören willst.  Auch diese Wahl ist keine Selbstverständlichkeit!

DAS ist Freiheit!

Und auch wenn die individuellen finanziellen Möglichkeiten natürlich immer eine Rolle spielen, was z.B. den Konsum und das Reisen angeht: wer einmal das FEHLEN von grundsätzlichen FREIHEITEN erlebt, gespürt hat, der hat wohl eine ganz eigene Antwort darauf, was Freiheit für ihn ist. Freiheit bedeutet aber eben auch, Verantwortung für die eigene Entscheidung zu tragen. Sich der Möglichkeiten bewusst zu sein, die eigene Wahl bewusst zu treffen und die sich ergebenden Konsequenzen zu tragen. Manchmal erscheint es einfacher, nach Regeln zu rufen, die Wahlmöglichkeiten stärker reglementieren zu lassen und so Verantwortung abzugeben.

Doch die zunehmende Reglementierung in nahezu allen Lebensbereichen, die stückweise Beschneidung von Bürgerrechten, durch z.B.  die Vorratsdatenspeicherung, das NetzDG, Uploadfilter, das WaffG, die zunehmend diskussionsfeindliche Stimmung, der Hang nach schnellen Antworten in 140 Zeichen, Schlagzeilenpolitik – all dies gefährdet letztlich das, was ich unter Freiheit verstehe.