Die Sache mit der Freiwilligkeit …Widerspruchslösung in der Organspende


Die Diskussion um die Organspende ist nicht neu aber aktuell. Gesundheitsminister Spahn und der SPD-Gesundheitspolitiker Lauterbach wollen die Organspende in Deutschland neu ordnen – mit der Widerspruchslösung.

Organspenden können Leben retten – ohne Zweifel! Organspender zu sein bedeutet bislang in Deutschland das aktive Bekenntnis dazu, ausgedrückt durch den sogenannten Organspendeausweis.  Und ja, es braucht mehr Organe, um all jenen eine Chance zu geben, die dringend ein Spenderorgan benötigen, um weiterleben zu können. Und ja, oft ist die Einwilligung zur Organspende vor allem für die Angehörigen eines potenziellen Spenders eine schwere Entscheidung, die in einer Situation unter unsagbar emotionalen Belastungen getroffen werden muss.

Die Skandale der letzten Jahre haben die Bereitwilligkeit zur Organspende auch nicht leichter gemacht und verlorenes Vertrauen kann nur mühsam wieder aufgebaut werden.

ABER in meinen Augen ist dieser Gesetzesvorstoß, dieser Paradigmenwechsel in der Organspende genau dazu nicht geeignet: verlorenes Vertrauen neu aufzubauen. Denn genau das ist diese Initiative: ein Paradigmenwechsel, weg von der Freiwilligkeit hin zum Status eines jeden Menschen als potenzieller Organ… – ja was eigentlich? Der Begriff Spender scheint zumindest nicht vollständig angebracht, denn die FREIWILLIGKEIT als fundamentale Grundvoraussetzung einer Spende und die vorgeschlagene Widerspruchslösung lassen sich nicht miteinander vereinbaren. Schweigen ist keine Zustimmung, gerade in einem ethisch so komplexen Thema wie der Organspende sollte eine zustimmende aktive Willensbekundung wie durch den Organspendeausweis unabdingbar sein.

Dazu kommt die Frage der zentralen Speicherung von Widerspruchserklärungen und damit tausender höchst persönlicher Daten.

Hier wird versucht, eine Abkürzung zu gehen, statt den wesentlich unbequemeren Weg der Aufklärung und Werbung, der Umstrukturierung und des Personalaufbaus in Krankenhäusern, um mit dem Thema besser und gezielter umgehen zu können.

Das Prinzip der freien, nicht erzwungenen Entscheidung sollte jedoch in meinen Augen unbedingt erhalten bleiben: JA zu mehr Aufklärung, JA zum entsprechend erforderlichen Personalaufbau aber NEIN zum Entscheidungszwang.