Ja zur Streichung des § 219a StGB


Für Informationsfreiheit und Selbstbestimmung

Vieles wurde in den letzten Wochen zu dem Thema veröffentlicht und diskutiert – zu einem Thema, dessen Anlass -der § 219a StGB- aus Zeiten stammt, in denen Schwangerschaftsabbrüche fast ausschließlich illegal und Frauen in Ihrer Selbstbestimmung stark beschnitten waren, so wurde Ihnen das  passive Wahlrecht entzogen, nur noch 10 % der Studierenden an Universitäten durften weiblich sein, Ärztinnen durften keine Praxen mehr  eröffnen und Ehefrauen unterlagen in fast allen Angelegenheiten dem Votum ihres Mannes.

Diese Zeiten sind vorbei – und das ist auch gut so! Heutzutage ist Selbstbestimmung für Männer und Frauen das angestrebte Ideal. Dazu gehört aus meiner Sicht auch die Frage woher beziehe ich meine Informationen? An welchen Arzt wende ich mich? Ich vermag in einer sachlichen, fundierten Information über einen Eingriff den ein Arzt oder eine Ärztin anbietet keine Werbung sehen. Im Gegenteil ich halte es für richtig, wichtig und vollkommen verständlich, dass Ärzte darüber aufklären, welche Eingriffe oder Behandlungen  sie bereit bzw. berechtigt sind vorzunehmen, welche Voraussetzungen dafür zu erfüllen und welche Risiken damit verbunden sind.  Dies sollte bereits dann möglich sein, wenn die hilfesuchende Frau noch nicht im Arzt-Patientenverhältnis zum jeweiligen Mediziner steht – sprich z.B. über die eigene Homepage. Die Argument einiger Kritiker, „dies würde zu mehr Abbrüchen führen“, den Schwangerschaftsabbruch „relativieren“, der §219a diene dem Schutz der Ungeborene, oder „solche“ Ärzte hätten nur den eigenen „Profit“ in den Augen, verfangen nicht.

Deutschland hat eine der niedrigsten Abbruchquoten im europäischen Vergleich, das MEHR an Informationen wird an dieser Quote nichts ändern. Frauen entscheiden sich nicht leichtfertig für einen solch gravierenden Eingriff wie einen Schwangerschaftsabbruch, die Streichung des § 2019a wird auch nichts an der bisherigen Praxis der Beratungspflicht durch zertifizierte Beratungsstellen ändern – und das sind eben nicht die den Schwangerschaftsabbruch durchführenden Ärzte. Die Information durch Ärzte über die von Ihnen vorgenommenen Eingriffe sind auch keine Relativierungen, auch keine Werbung– es sind sachliche Informationen zur Methode, den Risiken und Folgen eines Eingriffs, nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Der Vorwurf des Vermögensvorteils transportiert ein  fragwürdiges Verständnis gegenüber den Ärzten die Schwangerschaftsabbrüche anbieten. Die Sätze für derartige Abbrüche sind gesetzlich geregelt, die Einnahmen sind bei einer Schwangerschaftsbetreuung deutlich höher als bei einem Abbruch. Ärzte sind in erster Linie mal dem Wohl Ihrer Patienten verpflichtet – kein seriöser Arzt wird mit schreiender Reklame Abbrüche bewerben – frei nach dem Motto und heute gibt’s gratis den Abstrich dazu. Gegen anstößige, irreführende Werbung kennt unser Rechtsystem andere Instrumente – die auch regelmäßig genutzt werden. Das Ärzte statt, in einem vernünftigen Umfeld ihrem Beruf nachgehen zu können, immer mit einem Bein vor Gericht stehen, nur weil sie sachlich aufklären ist nicht länger hinnehmbar.

Frauen sind auch keine leicht beeinflussbare Wesen, welche sich auf Grund einer solchen „Werbung“ für einen Abbruch entscheiden- diese Entscheidung kommt nicht spontan – sondern Ergebnis eines langen, oft quälenden Prozesses. Die unterschwellige Botschaft in der aktuellen Debatte Frauen müssten vor dieser „Werbung“ geschützt werden, wirft ein erhellendes Bild auf die Meinung, welche gegenüber den betroffenen Frauen vorherrscht. Nein – Ärzte machen keine Werbung für Abbrüche wenn sie informieren – und Frauen reagieren auf diese „Werbung“ nicht wie Kinder auf Lutscher!

Geben Sie Frauen das Recht sich frei informieren zu können: wie und wo sie es wollen! Geben Sie Medizinern ein Umfeld im dem sie sich der Patientin widmen können, und nicht dem Anwalt!

Streichen Sie den Paragraphen 219a StGB