Heute wird in Oranienburg die 200. Bombe entschärft – es wird nicht die Letzte sein


Auch heute noch kämpfen Städte und Gemeinden mit dem tödlichen und zerstörerischen Erbe der Kriegsjahre. So waren bis zu 20 % der ca. 1,4 Mio. t abgeworfenen Bombenlast sogenannte „Blindgänger“, d.h. sie detonierten nicht wie vorgesehen. Das bedeutet jedoch nicht sie wären ungefährlich. Vielmehr nimmt durch die chemischen Prozesse im Boden die Instabilität der Sprengstoffe zu und auch die Zünder (z.B. chemische Langzeitzünder) werden mit der Zeit nicht stabiler – und die Bergung wird entsprechend schwieriger, das Risiko höher. Neben der Gefahr der Explosion und der damit verbundenen hohen Splitterwirkung, gehen insbesondere von Granaten je nach Art auch chemische Gefahren aus. Eine systematische Kampfmittelsuche und -beräumung von Flächen hat im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Krieg nicht stattgefunden – im Gegenteil oft kam es zu Verschüttungen, Vergrabungen und zu Verlagerungen der Kampfmittel u.s.w. durch Erdbewegungen.

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Die potenzielle Belastung des Baugrunds durch Kampfmittel ist ein nicht zu unterschätzendes Hemmnis in der Standortentwicklung und ein erheblicher Kostenfaktor in der Bauvorbereitung – mithin eine Investitionsbremse,  doch neben all diesen wirtschaftlichen Aspekten sind die Gefahren für die Umwelt und für Leib und Leben der noch wichtigere Aspekt des Themas.

 

Die Kampfmittelräumung gliedert sich in verschiedene Phasen – deren Kostenträger sich ebenfalls unterscheiden können. Auch wenn der Bund sich nunmehr an der Beseitigung von Kampfmitteln der Alliierten beteiligt (was bislang allein die Länder zu tragen hatten) bleibt die Belastung und vor allem das Kostenrisiko hoch.

Heute wird in Oranienburg die 200. Bombe entschärft – es wird nicht die Letzte sein. Dabei sind Bomben nur die Spitze es Eisbergs wenn es um das Kampfmittelerbe im brandenburgischen Boden geht – hier finden sich Minen, Nahkampfmittel, Munition und Munitionsteile, Handfeuerwaffen, Brandbomben, Granaten und Raketen….deren Suche, Bergung und Vernichtung  letztlich eine gesellschaftliche Aufgabe ist – die noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird. Eine Aufgabe deren Rahmenbedingungen von der Politik so gestaltet werden müssen, dass diese auch bewältigt werden können.